Frühgeburt der Zwillinge

 

Geburtsbericht

Am Samstag, den 13.08.22 um 22:30 Uhr, lagen mein Mann Luca und ich gemeinsam im Bett. Ich betrachtete das unaufgebaute Beistellbettchen, welches angelehnt an der Wand stand. Mit jedem Blick darauf spürte ich eine Anspannung in mir aufsteigen, die nur von den starken Senkwehen übertroffen wurde, die mich bereits den ganzen Tag über gequält hatten.

Unser Zuhause war alles andere als bereit für unsere zwei kleinen Schätze, also bat ich Luca, das Beistellbett endlich aufzubauen. Unsere Babys bewegten sich wild in mir und ich fühlte, als würden sie nach unten treten, um sich frei zu strampeln.

In diesem Moment sagte ich zu Luca, dass ich das Gefühl habe, dass die Babys in den nächsten ein bis zwei Wochen auf die Welt kommen würden. Doch es machte sich eine unendliche Trauer in mir breit, weil ich wusste, dass sie bei einer Frühgeburt für einige Wochen im Brutkasten bleiben mussten und ich sie nicht direkt mit nach Hause nehmen konnte. Ständig spielte ich im Kopf mögliche Szenarien einer Frühgeburt durch.

Die ständige Angst, einen oder beide Zwillinge wegen des FFTS-Vorfalls zu verlieren, war unerträglich geworden und ich konnte nur beten, dass sie bald gesund und sicher bei uns in den Armen liegen würden. Irgendwann schlief ich dann aber doch noch in den Armen meines Mannes ein.

Plötzlicher Blasensprung

Am Sonntag, dem 14.08.22 um 00:48 Uhr, wurde ich langsam von einem unangenehmen, feuchten und kalten Gefühl geweckt. Als ich mit meinen Händen meine Beine und das Bettlaken berührte, fühlte ich mit Entsetzen, dass meine Kleidung und das Bett um mich herum durchnässt waren.

Mit zitternder Stimme rief ich nach meinem Mann Luca: „Luuuucaaa, ich glaube meine Fruchtblase ist geplatzt, alles ist nass!“ Seine Antwort ließ mein Herz sinken: „Ohh verdammt, ja, ich bin auch nass! Was machen wir jetzt?“

Ich fühlte mich völlig überwältigt und war total verängstigt. Obwohl ich mit der baldigen Geburt unserer Zwillingsmädchen gerechnet hatte, war ich nicht darauf vorbereitet, dass es doch so plötzlich (SSW 27+5) passieren würde.

Ich war voller Angst und Sorge und wusste einfach nicht, wie es weitergehen sollte. Ich bat Luca, meine Schwester Jessica anzurufen, die in unmittelbarer Nähe wohnt und uns sicher weiterhelfen konnte. Glücklicherweise war sie noch wach und kam sofort zu uns ins Schlafzimmer. Starke Übelkeit machte sich in meiner Magengegend breit und ich hatte große Angst. Ich weinte und gestand Jessica, dass ich nicht länger in der Lage bin, sie in meinem Bauch zu behalten.

Mit tröstenden Augen sah sie mich an und sagte: “Ohh, Rebecca, du hattest es so lange ausgehalten. Aber jetzt haben sie sich selbst dafür entschieden, zur Welt zu kommen. Alles wird gut werden.” Als sie mich nach Wehen fragte, verneinte ich.

Ich fühlte mich hilflos…

In diesem Moment waren weder Luca noch ich in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen. Luca stand wie erstarrt da, unsicher darüber, was er tun sollte. Ich war von eisiger Kälte erfasst und meine Aufregung war so intensiv, dass ich den rasenden Schlag meines Herzens in jeder Faser meines Körpers spürte. Trotz der hitzigen Sommernacht zitterten meine Beine unkontrolliert.

Jessica übernahm die Kontrolle und gab Luca die Anweisung, frische Kleidung und warme Socken für mich zu holen sowie meine Kliniktasche, die ich dank meiner Voraussicht bereits bereitgestellt hatte, nach unten zu bringen. Gleichzeitig holte sie einen feuchten Waschlappen und begann vorsichtig, das Fruchtwasser von meiner Haut zu waschen und mir trockene Kleidung überzuziehen. 

Luca griff verzweifelt nach dem Telefon, um den Notruf zu wählen. Seine Stimme bebte, als er erklärte, dass meine Fruchtblase geplatzt war und ich dringend im liegenden Zustand ins Krankenhaus gebracht werden müsste. Doch die Person, am anderen Ende der Leitung war zunächst alles andere als mitfühlend und teilte ihm mit, dass ein Krankentransport in unserem Fall nicht notwendig sei.

Aber Luca gab nicht auf. Er war verärgert, also rief er bestimmend aber dennoch höflich in den Hörer, dass ich in der 28. Woche schwanger bin und die Zwillinge jederzeit geboren werden könnten, dass Babys die in der 28. Woche auf die Welt kommen, direkt in die NEO-Intensiv Station müssen um überleben zu können. Endlich gab die Person am anderen Ende nach und schickte einen Krankenwagen vorbei. Während wir auf den Krankenwagen warteten, trugen mich meine Schwester und Luca vom 2. OG runter ins EG, wo sie mich auf dem Sofa auf einer Inkontinenzunterlage ablegten. Ich spürte bei jedem Schritt wie ich immer wieder schwallweise Fruchtwasser verlor. Ich war voller Angst und Sorge um die Sicherheit unserer Babys und fühlte mich so hilflos und schwach, während Luca versuchte, stark zu bleiben und uns beide durch diese schwierige Situation zu führen. 

Die Fahrt in´s Krankenhaus

Als endlich der Krankenwagen kam, waren zwei starke junge Männer zur Stelle und hoben mich auf die Fahrtrage. Meine Schwester stand da und drückte mich fest an sich. In diesem Moment spürte ich, wie viel Liebe und Kraft von ihr ausging. Sie wünschte mir Glück und ich wusste, dass sie immer für mich da sein würde. Es war schwer, sich von ihr zu verabschieden, aber ich musste mich auf das konzentrieren, was vor mir lag.

Im Krankenwagen wurde ich erneut nach meinem Befinden und den Umständen gefragt. Ohne Blaulicht ging es dann in die Uniklinik nach Freiburg. Ich erinnere mich nur noch bruchstückhaft an die Fahrt, aber ich erinnere mich daran, wie dringend ich auf Toilette musste. Angekommen im Krankenhaus wurde mir ein Rollstuhlklo zur Verfügung gestellt, auf dem ich mein kleines Geschäft verrichten durfte.

Sofort wurde ein Ultraschall gemacht und mir wurde ein Zugang an der Vene gelegt. Zum Glück ging es unseren Mädchen gut und ihre Herztöne waren stabil. Aber was war das? Unsere Mädchen tauschten ihre Plätze! Malie, die zuvor mit dem Kopf nach unten lag, wurde von Liah, die immer die Zweite war, abgelöst. Liah hatte sich entschieden, die Erstgeborene zu werden.

Es folgte eine vaginale Untersuchung und mit meiner Einwilligung wurde eine dritte Lungenreifungsspritze gegeben. Ich hatte bereits zwei Spritzen in den letzten drei Wochen erhalten, aber da wir noch vor der vollendeten 28. Schwangerschaftswoche waren, sollte eine weitere Spritze den beiden Mädchen helfen, einen leichten Start ins Leben zu haben, falls sie zu früh geboren werden sollten. Glücklicherweise verlief alles gut und eine Intubation konnte im späteren Verlauf vermieden werden.

Ab diesem Zeitpunkt durfte ich aufstehen und zur Toilette laufen, da beim Ultraschall alles in Ordnung war. 

Im Kreissaal

Zunächst wurde ich in einen Kreissaal gebracht, in dem man mich ans CTG anschloss, um die Herztöne der Babys zu überprüfen und gegebenenfalls eine Wehentätigkeit festzustellen, da ich beim Aufstehen starke Schmerzen und ein heftiges Druckgefühl nach unten hatte. Glücklicherweise konnte man mittlerweile die Herztöne beider Babys auf dem CTG ablesen, und diese waren zu diesem Zeitpunkt noch ganz entspannt. Es wurden keine Wehen auf dem Wehenschreiber aufgezeichnet. Kurze Zeit später kam die nette Hebamme mit der fiesen Lungenreifungsspritze, die so unglaublich brannte und mir von den letzten beiden Malen noch sehr gut im Gedächtnis geblieben war. „Bringt ja alles nichts“, dachte ich, während Luca meine Hand hielt. Augen zu und durch… 

Da es zunächst danach aussah, dass uns noch einige Zeit bis zur Geburt blieb, durfte Luca leider aufgrund der Corona-Bestimmungen nicht über Nacht bleiben. Es war gegen 4 Uhr, als mein Mann das Krankenhaus verließ. Also saß ich die letzten paar Stunden der Nacht allein im Kreissaal und versuchte, ein wenig auszuruhen. Mein Gedankenkarussell ließ mich aber keine Sekunde zur Ruhe kommen, geschweige denn zu schlafen. Die restlichen Stunden der Nacht habe ich dann so irgendwie hinter mich gebracht und war dauerhaft ans CTG angeschlossen. 

Es folgte ein Marathon von Arztbesuchen

Als der Wehenschreiber mehrere Stunden keine Wehentätigkeit aufzeichnete, wurde ich in einen Art „Warteraum“ verlegt, in dem man das CTG den ganzen Tag weiterlaufen ließ, um die Herztöne der beiden Mäuse in meinem Bauch weiter zu überwachen. Dann ging der Ärztemarathon los, und ich bekam Besuch von einigen Ärzten, die mich über das weitere Vorgehen informierten.

Zuerst war da die Oberärztin aus der Frauenheilkunde, die nochmal einen Ultraschall machte. Es schien alles ruhig auszusehen. Zu diesem Zeitpunkt war noch alles möglich. Von Stunden bis Wochen könnten die Babys noch weiter im Bauch bleiben, sofern ich keine Wehen habe und es den Kindern im Bauch gut geht. Ich müsste dann zwar immer wieder einer antibiotischen Behandlung unterzogen werden, im Falle einer bakteriellen Infektion durch den Blasensprung, aber es wäre tatsächlich möglich, dies noch einige Wochen herauszuzögern.

Später kamen der Stationsarzt der Neonatologie-Intensivstation und der Oberarzt der Kinderklinik zu mir und informierten mich über den Ablauf einer Frühgeburt, was mit den Kindern passieren würde, wohin sie gebracht werden und welche Medikamente sie bekommen würden, wenn sie in den nächsten Stunden oder auch Tagen zur Welt kommen würden. Ehrlich gesagt kann ich mich noch kaum an die Gespräche vor der Geburt erinnern, da ich so aufgeregt war und immer noch diesen komischen Druck im Bauch verspürte, dass ich mich einfach 0,0 auf das konzentrieren konnte, was man mit mir besprochen hatte.

Als mein Göttergatte um 11 Uhr immer noch nicht wieder bei mir war und ich irgendwie ewig und drei Tage wartete, rief ich weinend meine Mama an, die vorbeikam und mir Wassermelone und andere Leckereien mitbrachte. Da ich riesigen Hunger hatte und außer einer kleinen Scheibe Vollkornbrot am Morgen nichts zu essen bekommen hatte, war ich froh, meine Mama zu sehen. Sie sprach mir Mut zu, und ich war etwas beruhigter. Nach 1,5 Stunden löste mein Mann Luca meine Mutter ab, und sie musste die Frauenklinik verlassen. Ich spürte, dass Luca sehr abgehetzt war und ihn die letzten Stunden der Sorge angestrengt hatten. Er versuchte jedoch, sich nichts anmerken zu lassen.

Irgendwann kam dann noch der Narkosearzt, der mich über die Risiken eines Kaiserschnittes und der Narkose und über die verschiedenen Möglichkeiten einer Betäubung wie der Spinalanästhesie und der PDA informierte. Ich wollte von nichts mehr irgendwas wissen. Ich kann mich auch nicht mehr erinnern, wo und wie viele Unterschriften ich gesetzt hatte. Alles, was ich die Ärzte gefragt hatte, war: Was ist das Beste für unsere Babys? Mit was haben sie die besten Chancen für einen guten Start ins Leben? Wir vertrauten auf den Rat der Ärzte, denn weder ich noch Luca waren in der Lage, selbst zu entscheiden, geschweige denn noch mit Recherchen im Internet zu beginnen. 

Das einzige, um was ich gebettelt hatte, war der Kaiserschnitt unter Spinalanästhesie. Ich wollte einfach nicht schlafen, wenn meine Babys auf die Welt kommen. Ich wollte es miterleben, hören und gleich wissen, wie es ihnen geht. Zudem hatte ich große Angst vor einem Nichtwiedererwachen nach einer Vollnarkose. Ich hatte Angst, meine drei Kinder nicht mehr sehen zu können, also teilte ich mehrmals meine Bedenken einer Vollnarkose mit.

 

Und so vergingen die Stunden bis zum Abend, die mir ewig vorkamen. Hin und wieder schaute eine Hebamme vorbei, die das CTG überprüfte. Gegen 17.30 Uhr musste Luca mich wieder verlassen, da er zu unserer zweijährigen Tochter nach Hause musste, die ausgerechnet jetzt auch noch krank war.

Plötzlich waren da Wehen auf dem CTG zu sehen

Etwa eine Stunde, nachdem Luca gegangen war, spürte ich leichte Kontraktionen im Bauch. Ich schaute auf den noch immer laufenden Wehenschreiber und tatsächlich schrieb er eine Wehentätigkeit auf. Zuerst alle 8 Minuten, dann alle 6 Minuten. Ich war etwas beunruhigt, da ich von der ersten Geburt wusste, dass ich keinen „Wehenschmerz“ fühle, sondern einfach ein Ziehen im Bauch. Somit ließ mich das Gefühl nicht los, als würde es nun doch losgehen. Ich rief die Hebamme, die mich versuchte zu beruhigen. Sie war übrigens ein richtiger Engel. Ihr Name lautete „Anna“, genau wie die Hebamme, die mich bei meiner wundervollen natürlichen Geburt mit unserer großen Tochter Emilia zwei Jahre zuvor begleitete. Das musste ein Zeichen sein. Ich wollte nicht, dass sie von meiner Seite wich, denn ihre Anwesenheit gab mir ein Gefühl von Sicherheit.

Ich weiß nicht, wieso, jedoch überkam mich ein Gefühl von Panik. Ich wollte, dass Luca sofort wieder zurückkommt, denn ich hatte das Gefühl, als würden sie gleich kommen wollen. Plötzlich fielen bei jeder Kontraktion die Herztöne des einen Zwillings ab. Sie erholten sich recht schnell wieder, aber man merkte, dass das kleine Menschlein Stress bekam. Ich bat um einen erneuten Ultraschall und eine vaginale Kontrolle durch die Oberärztin. Nach ca. 20 Minuten wurde ich untersucht und aufgrund des noch sitzenden Pesares, der meinen Gebärmutterhals die letzten 2,5 Wochen stabilisieren sollte, war die Sicht auf den Muttermund versperrt. Was aber im Ultraschall sichtbar war, ist, dass der Gebärmutterhals nun komplett verstrichen war.

Ich bettelte die Oberärztin an, bitte nicht zu lange zu warten, da ich unbedingt wach sein wollte, wenn meine kleinen Mäuse zur Welt gebracht werden mussten. Ich hatte einfach das Gefühl, dass mein Mann jetzt SOFORT kommen musste. Also rief ein weiterer Arzt, der im Zimmer war, meinen Mann an, der schon im Auto saß, weil meine Schwester Jessica ihn schon aus dem Haus geschmissen hatte, als ich ihr auf Whatsapp schrieb, dass ich Wehen hatte und Luca bitte zurückkommen sollte.

Man brachte mich wieder zurück in den Ruheraum, um das CTG weiterlaufen zu lassen. Weitere 20 Minuten gingen einher, die Abstände zwischen den Wehen wurden immer kürzer, alle 4 Minuten, und die Herztöne der Mädels hatten jedes Mal einen Abfall. Ich schaute die Hebamme an und sagte: „Ich habe keine Schmerzen bei den Wehen, aber ich weiß, dass sie jetzt kommen!“

Plötzlich kam die Oberärztin ins Zimmer gestürmt und sagte: „Okay, jetzt habe ich genug gesehen, denn ich habe Ihre Wehentätigkeit auf dem Monitor überwacht. Wir müssen sofort alles für den OP vorbereiten.“ Ich höre den Klang ihrer Stimme noch heute: „Um 23 Uhr werden Ihre beiden Zwillingsmädchen zur Welt kommen.“ WOW, mein Herz rutschte in meine nicht vorhandene Hosentasche, denn ich trug bereits den ganzen Tag ein von hinten offenes OP-Hemdchen.

 

Alles wurde für den Kaiserschnitt vorbereitet und von meinem Mann war keine Spur in Sicht…

Es war kurz nach 22 Uhr, und von Luca war noch weit und breit nichts in Sicht. Als man mir gerade den Katheter setzen wollte, kam er dann endlich ins Zimmer gestürmt. Mit Tränen in den Augen schaute ich ihn an. Mit zitternder Stimme sagte ich, dass es jetzt losgehe und wir gleich in den OP fahren und unsere Babys geboren werden.

Luca, noch voll außer Puste, war total perplex über die schnelle Wendung der ganzen Situation. Man instruierte ihn, und dann ging es auch schon los.

Man schob mich in den Narkoseraum, und Luca wurde in einen anderen Raum gebracht, in dem er einen OP-Kittel bekam und desinfiziert wurde.

Wieder war ich von meinem Mann getrennt, wurde aber total lieb von den Narkoseärzten und einigen weiteren Ärzten empfangen. Da es dann ziemlich schnell gehen musste, waren plötzlich um die 10 Personen im Raum, die alles für den OP vorbereiteten. Man legte mir einen weiteren Zugang an der linken Hand an, während meine Körpermitte mit einer Desinfektionslösung eingerieben wurde. Danach musste ich mich an die Kante eines Tisches setzen, wo man begann, eine gute Stelle zu finden, um mit der Spinalanästhesie zu beginnen.

Die Spinalanästhesie

Quelle: Netdoktor, „Spinalanästhesie“, https://www.netdoktor.de/untersuchungen/spinalanaesthesie/

Zitat: „Bei der Spinalanästhesie wird eine sehr dünne Nadel in den unteren Rücken gestochen. Durch diese Nadel wird ein Betäubungsmittel in den Spinalkanal injiziert, in dem sich das Rückenmark und seine Nerven befinden. Dadurch wird die Schmerzleitung in diesem Bereich unterbrochen.“

Der Narkosearzt bat mich, mich ganz locker nach vorne zu lehnen und zu entspannen, was mir natürlich nur semi-gut gelang, da ich so aufgeregt war, dass meine Beine unkontrolliert zitterten. Nun begannen sie in meinen unteren Rücken zu stechen, was mir sehr unangenehm war. Ich glaube, dass sie den Rücken davor schon betäubt hatten, aber ich empfand es trotzdem als ziemlich unangenehm. Leider war die Stelle zu „hart“ und sie mussten es ein weiteres Mal an einer anderen Stelle versuchen. Und wieder kamen sie einfach nicht durch. Der Arzt fragte mich, ob ich Leistungssport betreibe, was ich verneinte. Aber ich trug seit über zwei Jahren entweder einen schweren Bauch oder ein Kleinkind mit mir herum. Somit waren meine Muskeln und Sehnen so stark, dass sie die Kanüle kaum setzen konnten. Sie sagten, okay, letzte Chance, sonst müssen wir doch eine Vollnarkose machen. Ich wurde nervös, versuchte aber mich so gut es ging zusammenzureißen und mich zu entspannen. Der dritte Anlauf glückte zum Glück, und sie konnten die Spinalanästhesie durchführen. Währenddessen wurde ich immer wieder nach meinem Wohlbefinden gefragt, und dann durfte auch Luca wieder zu mir hereinkommen, um meine Hand zu halten.

Der Kaiserschnitt

Nun konnte es losgehen. Der Raum füllte sich mit weiteren Ärztinnen und Krankenpflegerinnen (Luca meinte, es waren 18 Personen im Raum gewesen), die nur für unsere beiden Babys da waren, um ihnen den besten Start in das viel zu frühe Leben auf unserer Erde zu ermöglichen.

Es wurde nun einige Minuten gewartet, bis die Betäubung wirkte, und währenddessen wurde der Pesare entfernt. Danach wurde überprüft, ob ich meine Beine sowie den Bauch noch spüre. Man sprühte eine kalte Lösung auf meine Haut – ich nehme an, dass es Desinfektionsmittel war. Ich spürte noch ziemlich lange, und somit warteten sie noch und boten mir immer wieder die Vollnarkose an, die ich dankend ablehnte. Bloß keine Vollnarkose, dachte ich und riss mich am Riemen. Die Oberärztin drängte, denn beim Entfernen des Pesares hatte sie bemerkt, dass mein Muttermund schon 8 cm offen war, was für eine solche Frühgeburt schon so weit offen war, dass das erste Zwillingsmädchen direkt geboren hätte werden können. Aber das wäre aufgrund der frühen Schwangerschaftswoche viel zu anstrengend für die Mädchen gewesen, und eine spontane Geburt hätte sie viel zu sehr geschwächt. Somit begannen sie zu schneiden. Man fragte immer und immer wieder, ob alles okay sei. Ich hatte Schmerzen während des gesamten Eingriffs, und es war eine äußerst unangenehme Situation.

Die Geräusche, das Ziehen und Drücken an meinem Bauch waren für mich wie Folter.

Aber ich habe mich einfach nicht getraut zu sagen, wie schlimm es wirklich für mich war. Mit Sicherheit habe ich nicht so starke Schmerzen gehabt, wie man sie ohne Betäubung hätte, dennoch empfand ich den Kaiserschnitt schlimmer als die spontane Geburt zwei Jahre zuvor.

Da ich wegen des Zugangs an der linken Hand Lucas Hand nicht richtig zudrücken konnte, bot mir einer der Narkoseärzte seine Hand zum Drücken an, die ich dankend annahm und wirklich fest zudrückte 😀

Was ich als wirklich positiv während des ganzen Prozesses empfand, ist, dass alle Ärzte sowie Hebammen und OP-Schwestern unglaublich mitfühlend, sensibel und einfach super lieb waren. Ich habe mich trotz des für mich sehr schlimmen Eingriffs gut aufgehoben gefühlt und wusste, dass jeder, der im Raum war, sein Allerbestes gab.

Was mich aber von den Schmerzen ablenkte, war, dass mir die Oberärztin jeden Schritt erklärte und als es dann so weit war, um unsere Schätze aus dem Bauch zu holen, erzählte sie uns alles ganz detailliert.

Sie sagte: Der erstgeborene Zwilling namens Liah, ein Mädchen, ist um 23:06 Uhr zur Welt gekommen. Hören Sie, sie schreit sogar. Direkt wurde sie in die Obhut der NEO-Intensivärzte gegeben, und sie trugen sie an meinem Kopf vorbei, sodass ich einen Blick erhaschen konnte.

Eine Minute später kam der zweite Zwilling, ebenfalls ein Mädchen namens Malie, zur Welt. Die Ärztin sagte, dass beide Babys dunkle Haare haben und auch Malie weinte. Leider konnte ich es nicht hören, aber es beruhigte mich, was ich zu hören bekam.

Die Hebamme Anna, welche trotz ihres Feierabends noch an meiner Seite blieb, ging dann in den Nebenraum, in dem unsere beiden Zwillinge von Kopf bis Fuß untersucht wurden, und machte Fotos, die sie uns direkt zeigte, während man mich zunähte. Sie sagte uns, dass es den beiden soweit gut geht und sie gerade sogar ohne Sauerstoff atmen. Luca und ich waren erleichtert, und es kullerten Tränen über unser Gesicht. Wir haben es geschafft, meine Babys sind da, und sie erinnern mich sogar ein wenig an unsere große Tochter Emilia, sagte ich zu Luca.

Nach der Operation gratulierte uns das gesamte Team zur Geburt unserer zwei starken Löwenmädchen. Luca hielt noch immer meine Hand und küsste mich. Wir waren und sind bis heute wirklich unendlich dankbar für das tolle Team in der Uniklinik in Freiburg.

Nach der Geburt

Ich wurde direkt nach der Geburt in den Aufwachraum auf eine andere Etage gebracht und unsere Babys wurden noch eine Weile im Nebenraum untersucht bis sie für den Transport im Inkubator zur Intensivstation bereit waren.

Ich war erleichtert, dass unsere Babys den Umständen entsprechend einen guten Start in´s Leben hatten und ich die Operation hinter mich gebracht hatte. Dennoch kreisten meine Gedanken nur um meine Babys, wie sie jetzt ohne mich da liegen und um ihr Leben kämpfen.

Die ersten Tage nach der Geburt war ich unglaublich erschöpft und müde, ich hatte im Vergleich zur spontanen Geburt starke Schmerzen und konnte kaum aufstehen. Da ich aber meine Babys sehen wollte, fing ich bereits am ersten Morgen nach der Geburt an ein paar Schritte zu laufen und am dritten Tag habe ich es bereits alleine geschafft meine abgepumpte Milch auf die Intensivstation zu bringen.

Ich wollte sie unbedingt auf den Arm nehmen, jedoch war dies erst am 4. Tag nach der Geburt möglich, da sie die ersten drei Tage nur auf dem Rücken liegen durften. Danach hat man Ultraschall und Röntgenaufnahmen gemacht um zu überprüfen ob keine Blutgerinnsel oder andere schwerwiegende Krankheiten vorliegen.

Am 4. Tag nach der Geburt war es dann so weit und ich durfte Malie im Arm halten, und einen Tag später konnte ich dann auch Liah in den Armen halten. Meine Gefühle waren gemischt, auf der einen Seite habe ich mich unendlich gefreut und auf der anderen Seite waren sie noch so klein und verletzlich, dass ich zu Beginn etwas Berührungsängste hatte.

Die Zeit in der unsere Zwillinge auf der Intensivstation lagen und wir ohne sie nach Hause fahren mussten, gehörte ebenfalls zu eine der schwierigsten Zeiten in unserem Leben als Familie. (Hierzu aber mehr in meinem Post „Die Zeit in der unsere Zwillinge auf der Intensivstation lagen“.) Trotz allen Umständen haben wir die Zeit gut gemeistert und ich bin einfach nur glücklich darüber, dass wir nun zwei ganz gesunde Mädchen zuhause haben.

Danksagung

Unser größter Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geburtshilfe und Neonatologie der Uniklinik Freiburg und des UKE Hamburg.

wir möchten uns von ganzem Herzen bei Ihnen allen für die unglaubliche Arbeit bedanken, die Sie während meiner Schwangerschaft, Geburt und der Betreuung unserer Kinder geleistet haben.

Ihre Aufmerksamkeit, Sorgfalt und Professionalität während der Geburt haben uns ein Gefühl der Sicherheit und des Vertrauens gegeben, das wir in keiner anderen Situation erfahren haben. Die Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen haben uns unterstützt und ermutigt, als wir erschöpft und überwältigt waren, und sie haben uns bei jedem Schritt geholfen.

Wir möchten auch unsere Dankbarkeit gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf der Neo-Intensivstation ausdrücken, die unsere Babys liebevoll betreut haben. Ihre Geduld, Fürsorge und Aufmerksamkeit haben uns in einer schwierigen Zeit Trost und Stärke gegeben, und wir sind Ihnen zutiefst dankbar.

Ihr Einsatz hat unseren Aufenthalt in der Klinik zu einer positiven Erfahrung gemacht, und wir werden immer dankbar sein für die erstaunliche Arbeit, die Sie leisten. Sie haben das Leben unserer Kinder gerettet und unsere Erfahrung als Eltern geprägt.

Nochmals vielen Dank für alles, was Sie getan haben. Wir sind unendlich dankbar.

 

 

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